


Online-Händler Thomas Bethge von Reha-24.de im Interview mit eSellers-Guide über Chancen und Risiken im E-Commerce, sein langer Weg zum richtigen Web-Shopsystem und die Herausforderungen des Händleralltags für Menschen mit Behinderung. Selbst betroffen als Rollstuhlfahrer, bietet Thomas Bethge jetzt seit über zehn Jahren orthopädisch-medizinische Hilfsmittel in seinem Internet-Shop an. Den Bereich Marketing und Mehrsprachigkeit will er künftig noch mit seinem Shop-Anbieter Hotdigital optimieren.
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Red. (eSellers-Guide): Herr Bethge, wann haben Sie zum ersten Mal daran gedacht im Internet etwas zu verkaufen, wie hat das angefangen?
Ich war beim Verein für Ambulante Dienste beschäftigt und habe dort die Interessen der Menschen mit Behinderung vertreten. Dort war ich über sechs Jahre tätig und wollte dann mal etwas Neues machen. Ich habe mir überlegt, dass ich selbst als Behinderter anderen Betroffenen sicher besser helfen kann, als jemand der nicht behindert ist. Daher war für mich zunächst eine Beratung für orthopädisch-medizinische Hilfsmittel naheliegend. Doch ich habe schnell gemerkt, dass man damit wenig Geld verdienen kann. Deshalb kam mir die Idee für einen Online-Shop. 1996 bin ich dann zum ersten Mal zur Reha-Messe nach Düsseldorf gefahren, um mir dort die ganzen Kataloge zu organisieren.
Red.: Dann haben Sie zuerst Marktforschung betrieben?
Ja natürlich, ich wollte erstmal wissen was es alles auf dem Markt gibt. Wenn man alleine bei Rollstühlen recherchiert, gibt es unglaublich viele Modelle. Ich habe dann die ganzen Firmen angeschrieben und mir weitere Kataloge zuschicken lassen. Das war noch während meiner Beratertätigkeit.
Red.: Haben Sie zuerst an einen Webshop gedacht oder war auch ein Ladengeschäft in Berlin eine Alternative?
Die Öffnungszeiten eines stationären Ladengeschäfts sind für mich sehr unangenehm, da ich morgens schon um 5 Uhr raus müsste und dazu kommt dann noch die ständige Anwesenheit als Einzelunternehmer. Ganz alleine kann man diese Anstrengung gar nicht bewältigen. Ich wollte selbständig arbeiten, aber nicht von anderen Personen abhängig sein. Also musste ich mir ein Geschäftsmodell überlegen, womit ich auch ohne Geschäftspartner gute Umsätze machen kann. Ich wollte auf jeden Fall einen Webshop betreiben, da der Handel im Internet für mich persönlich viele Vorteile hat.
Red.: Gab es da Probleme oder Herausforderungen mit denen Sie zu kämpfen hatten?
Ja durchaus. Zu Beginn dachte ich, dass man die Hilfsmittel einfach über die Krankenkasse abrechnen kann. Orthopädische Artikel wie Rollstühle sind ja Leistungen der Krankenkassen auf Rezept. Hierfür benötigt man als Shop-Betreiber aber zunächst Verträge mit jeder einzelnen Krankenkasse. Erst wenn man die hat, kann man loslegen. Wenn man den Auftrag dann bekommt und die Rechnung einreicht kann die Wartezeit bis zum Geldeingang manchmal 40-60 Tage betragen. Der Hersteller des Rollstuhls wiederum möchte aber sofort sein Geld. Zudem gab es damals viele gesetzliche Bestimmungen, die sich auf die Eröffnung eines Ladengeschäfts bezogen haben, die für mich als Onlinehändler auch gelten sollten. Diese irrsinnigen Regelungen wie z.B. eine Kabine, Werkstatt oder einen behindertengerechten Parkplatz vor der Tür musste ich gerichtlich außer Kraft setzen, um eine Genehmigung für meinen Online-Shop zu erhalten. Erst nach einem Rechtsstreit von über zwei Jahre konnte ich starten. Zudem suchen sich die Krankenkassen aus wirtschaftlichen Gründen immer den günstigsten Anbieter von allen aus. Da muss man dann stark auf die privaten Verkäufe setzen.
Red.: Welche Produkte verkaufen Sie in Ihrem Shop am besten?
Am besten verkaufen sich Schlupfsäcke, Regencapes und spezielle Sportartikel.
Red.: Nach welchen Kriterien haben Sie Ihr Shop-System ausgesucht?
Als ich anfangen wollte gab es noch die Firma Intershop in Jena, bei der ich einen Kostenvoranschlag für meinen Shop angefordert habe. Allerdings war der für mich damals viel zu teuer. Daraufhin bin ich dann zu Strato gegangen und dort begann eine richtige Odyse an Problemen ohne Ende. Mal waren komplett alle Artikel in meinem Shop verschwunden und mal wurden sie den Käufern beim Bestellvorgang nicht richtig angezeigt. Der Wechsel zu 1&1 kam danach – dort habe ich auch heute noch einen Shop. Bis ich dann vor einigen Monaten Kontakt zu einem Verkäufer bei Hotdigital bekommen habe, der mir den Marketing Web-Shop erläutert hat. Mit diesem System arbeite ich jetzt sehr erfolgreich. Die Funktionalität bezüglich Gutschriften und Rabatte hat mich überzeugt. Dort geht man auch sehr gezielt auf meine Änderungswünsche ein, so dass der Shop jetzt nach meinen eigenen Bedürfnissen entwickelt und realisiert werden kann. Das hatte ich bisher noch bei keinem anderen Shop-Software Anbieter und das ist ein großes Plus für mich.
Red: Welche Zahlarten bieten Sie Ihren Kunden an?
Ich mache derzeit aus Sicherheitsgründen nur Vorkasse.
Red: Verkaufen Sie auch bei eBay?
Ja ich habe auch dort meine Angebote drin. Sogar einen eBay-Shop habe ich angelegt. Allerdings stören mich die teuren Gebühren auf diesem Marktplatz. Die habe ich bei meinem eigenen Shop ja nicht.
Red.: Wie viele Mitarbeiter haben Sie?
Ich mache das fast alleine. Ab und zu habe ich in der Woche eine Assistentin die mir ein bisschen unter die Arme greift.
Red.: Eine abschließende Frage, was planen Sie künftig für Ihren Webshop noch an Erweiterungen?
Ich habe schon mit meinem Kundenbetreuer bei Hotdigital gesprochen, mit dem ich nun das Thema Online-Marketing angehen werde. Auch eine internationale Erweiterung kann ich mir gut vorstellen, da mein Shop mehrsprachig aufgebaut ist und hier viele Möglichkeiten bietet. Das wird allerdings noch ein wenig Zeit in Anspruch nehmen was die Übersetzungsarbeit angeht. Aber auch hierfür habe ich schon praktische Tipps zur kostengünstigen Umsetzung bekommen.
Herr Bethge, wir bedanken uns für das Gespräch.
Das Interview führte Bettina Eisele, COO eSellers-Guide
Weitere Informationen finden Sie unter www.reha-24.de
VON: UNPOINT.DE